Der König von Augsburg

 

Koenig von Augsburg
Der König von Augsburg (CC-BY2.0, Fotograf: Seniju)

Wenn man darüber nachdenkt, wer in Augsburg das Sagen hat, dann fallen einem eigentlich zuerst die Fugger ein, wobei deren Glanzperiode schon eine Weile vorüber ist. Und die Chinesen, die erst Osram und dann Kuka gekauft haben, haben in Augsburg auch nicht mehr so viel zu melden, seitdem Ledvance abgewickelt wurde und Kuka Leute entlässt.

Leute entlassen, das würde Gerhard Hermanutz niemals tun. Denn schließlich ist er König von Augsburg. Gewählt wurde er nicht, aber zu demokratischen Willensbildungsprozessen hat die Aristokratie ja allgemein ein eher abstraktes Verhältnis. Vor 25 Jahren schlüpfte  Hermanutz in diese Rolle. Er lebte bereits seit 1981 in Augsburg, wo auch  seine Mutter lebte. Er hatte schon damals einen Hang zu ausgefallenen Kleidungsstücken, deshalb bastelte er sich irgendwann einmal aus Pappe und Goldfolie eine Krone. Und wurde zum König. „Nachdem ich die Krone in Augsburg alleine trug und mir das niemand nachmachte, musste ich wohl der König sein“, zitiert ihn die Augsburger Allgemeine Zeitung.

Der König ist gern sichtbar, man kann ihn ansprechen – und selbst für Neu-Augsburger dauert es nicht lang, bis man ihm irgendwann einmal in der Innenstadt über den Weg läuft. Gern steht er vor dem Rathaus und schaut auf seine Untertanen. Oder er besucht das Polizeipräsidium oder andere Augsburger Behörden – man muss ja sehen, was die Verwaltung so  macht.

Hermanutz, der übrigens die Anrede „König“ bevorzugt, ist mittlerweile Stoff mehrerer Bücher und Fernseh-Dokus geworden. Im März 2019 feierte ein Film über ihn im Programmkino Liliom Premiere, er ist noch bis Mai jeden Tag dort zu sehen

Der König von Augsburg tut niemandem etwas zuleide und wird deshalb von den Augsburgern toleriert und in Ruhe gelassen. Und ich finde, das sagt viel über die Augsburger aus.