Brecht hatte nicht recht

Der Dichter, dem sein Leben lang ein schwieriges Verhältnis zu seiner Heimatstadt nachgesagt wurde, soll einmal gesagt haben:

Das Beste an Augsburg ist der Zug nach München

Nun ja, es gibt sicherlich das Eine oder Andere, was in München schöner, eleganter oder besser ist als in Augsburg – also mit etwas Überlegung fällt mir da sicher was ein.

Aber Dinge, die in Augsburg besser funktionieren als der Zug nach München – da würden mir sofort zwei Dutzend Sachen einfallen.

Gerade sitze ich im Zug von München nach Augsburg – zwei Stunden später als geplant. Grund dafür ist angeblich ein Notarzteinsatz am Bahnhof Pasing. Dafür müsse ich Verständnis haben, sagten mir die völlig überforderten Bahner, auf die ich auf meiner Odyssee über den Münchner Hauptbahnhof traf. Nein, habe ich eigentlich nicht. Genauer gesagt habe ich kein Verständnis dafür, dass es die Bahn immer wieder komplett unvorbereitet trifft, wenn irgendein Ereignis ihren Plan stört.

Kaum einer mit einem Herzen im Brustkorb hat ein Problem damit, bei einem unvorhergesehenen Unglücksfall auch mal warten zu müssen. Doch womit ich ein Problem habe, das ist die Kommunikation der Bahnmitarbeiter miteinander und mit der zahlenden Kundschaft. Die bricht nämlich regelmäßig zusammen, wenn mal was Unvorhergesehenes passiert. Und dann wird man von Gleis 13 zu Gleis 29 geschickt, wo zwar ein Zug nach Treuchtlingen steht, der so voll ist, dass niemand mehr reinpasst. Aber der Zugteil nach Ulm, der eigentlich noch dazu kommen müsste, kommt dann nicht – zur völligen Überraschung der Bahnmitarbeiter am Bahnsteig.

Und so etwas passiert andauernd, nicht nur wenn in Pasing mal wieder einer vor den Zug gesprungen ist.

Es will nicht in meinen Kopf, dass ein Unternehmen mit zigtausend Mitarbeitern keinen Plan B hat, falls Plan A nicht funktioniert. Und vielleicht sollte sich unser Verkehrsministerdarsteller mal Gedanken machen, wie man den Zugverkehr besser gegen Störungen absichern kann, bevor er sich mit E-Rollern befasst.