Biergarten? Biergarten!

Dem Münchner, selbst wenn er eigentlich ein Nordlicht ist, geht der Ruf nach, er pflege eine besondere Affinität zu Biergärten. Ich nehme mich selbst da gar nicht aus. Ich sitze gern im Biergarten, habe kein Problem damit, wenn dort alles ein bisschen legerer zugeht und die Bedienung eher herzlich als formvollendet auftritt. Hauptsache, das Bier ist frisch und die Schmankerln schmecken.

Vor allem letzteres ist – auch in München – keine Selbstverständlichkeit. Schon oft sind wir in Münchner Biergärten essensmäßig mächtig eingegangen. Man hat gelegentlich den Eindruck, dass die Touristenmassen, die Münchner Biergärten das Überleben sichern, keinen guten Einfluss auf das haben, wofür ohne mit der Wimper zu zucken erstaunliches Geld verlangt wird.

Kann Augsburg das besser?

Erste Versuche im Sommer 2017 verliefen durchwachsen. Den vielfach hoch gelobten Biergarten an der Kälberhalle fanden wir so naja, die Zeughausstuben schlicht und einfach desaströs.

Während in München Biergärten oft großgastronomische Betriebe sind, gibt es in Augsburg auch viele Biergärten, die ein bisschen versteckter sind. Zum Beispiel das Bayrische Herzl in der Spitalgasse, nur ein paar Gehminuten von der Augsburger Puppenkiste entfernt. Man erreicht den Biergarten durch einen Torbogen, wo er inmitten mittelalterlicher Häuser einen lauschigen Innenhof füllt. Wirt und Mannschaft legen Wert auf die Tatsache, dass es sich um ein altbayrisches Etablissement handelt, und das, obwohl es westlich des Lechs und damit eindeutig auf schwäbischem Terrain liegt. Dem Besucher erschließt sich das Altbayerntum des Herzls am ehesten durch die Tatsache, dass es dort Erdinger Bier aus Bayern gibt und kein Hasenbräu, das in Wirklichkeit bei Tucher in Nürnberg hergestellt wird.

Ist das wichtig? Der Gast genießt die angenehm ruhige, entspannte Atmosphäre im Herzl, blickt sich zufrieden um und sagt: Ach, woher?

Und er bestellt den Klassiker, das Brotzeitbrettl. Speis‘ und Trank kommen in angemessener Geschwindigkeit, und so sieht das dann aus:

War so lecker, wie es auf dem Bild aussieht, und sogar die Salzstangen im Obazten waren knusprig. Kurz: Da kann man nicht meckern. Ich hab‘ den Preis vergessen, war aber absolut im Rahmen.

Dass das Bayrische Herzl angeblich den ältesten Holzbackofen der Stadt betreibt – geschenkt. Dass es aber eine großzügig bemessene Wasser-Station gibt, an der mitgebrachte Hunde trinken können, fand ich nett. Schließlich soll sich da ja jeder wohl fühlen, auch wenn’s mal wieder Jahrhundertsommer hat.

Fazit: Schöner, angenehmer Biergarten, da gehen wir gerne wieder hin. Neben dem Biergarten gibt es noch eine Wirtschaft, wenn’s draußen greislig ist. Die haben wir aber noch nicht ausprobiert.

Wer’s selbst testen mag: Zum Bayrischen Herzl, Spitalgasse 8, 86150 Augsburg. Parken ist in der Gegend Glückssache, aber von der Citygalerie sind es keine zehn Minuten zu Fuß.

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