Pest und Cholera

Wir schreiben Tag 8 der „Ausgangsbeschränkungen“, die Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am 20. März angeordnet hat. Ich darf meine Wohnung nur noch mit einem triftigen Grund verlassen. Der Weg zur Arbeit zählt dazu, aber zur Arbeit fahre ich schon seit zwei Wochen nicht mehr. Die Abbuchungen für meine Bahn-Monatskarte laufen weiter – in einem Zug nach München habe ich seit über drei Wochen nicht mehr gesessen. Bevor mein Verlag die Entscheidung traf, uns alle ins Home Office zu schicken, bin ich sicherheitshalber mit dem Auto in die Arbeit gefahren.

Seit acht Tagen, so hat es die Staatsregierung verfügt, brauche ich einen triftigen Grund, das Haus zu verlassen. Und ich nehme das ernst. Ich habe keine besondere Angst, mich mit COVID-19 zu infizieren, doch die Bilder, die und aus Italien erreichen, lassen auch mich nicht los. Ich bin Motorradfahrer, und eigentlich wäre jetzt Saisonbeginn. In Foren diskutieren die Kollegen, ob Motorradfahren eigentlich explizit verboten sei oder ob man nicht doch… Ich fahre im Moment nicht Motorrad, ich will kein schlechtes Vorbild sein. Egal, ob es verboten ist oder nicht.

Ganz offiziell erlaubt ist es, das Haus zu verlassen, um Luft zu schnappen und spazieren zu gehen. Und das tue ich jeden Tag. Bei schönem Wetter einmal um den Kuhsee, das ist ein guter Ausgleich zur Büroarbeit, die zuhause nicht weniger stressig ist als im Verlag, ganz im Gegenteil.

Was man da sieht, passt überhaupt nicht zu den Schreckensszenarien, die abends in der Tagesschau gemeldet werden. Der Park rund um den Kuhsee ist beileibe nicht menschenleer, viele Augsburger nutzen das schöne Wetter. Für meinen Geschmack zu viele – die empfohlenen zwei Meter Mindestabstand hält nicht jeder ein.

Deshalb habe ich heute, am Sonntag, auf einen Rundgang um den See verzichtet und bin durch die Innenstadt gelaufen. Kein schöner Anblick. Natürlich hatte heute kein Laden offen, denn es war ja schließlich Wochenende. Aber an jedem Laden hing ein Zettel, dass er auch morgen nicht wieder öffnen wird. Kneipen, Restaurants, alles zu.

Manche Zettel strahlen Verzweiflung aus, manche aber auch trotzigen Durchhaltewillen. Besonders gefallen hat mir der hier im Fenster der Modeboutique Respekt im Hunoldsgraben:

Respekt!

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